Abenteuer HH-Liga für den Moorreger SV

MSV 1 - HH-Liga 1 : 0

Als im vergangenen April feststand das die 1. Damen den ersten Aufstieg der Vereinsgeschichte in die HH-Liga perfekt gemacht hatte, konnte man es im ersten Moment nicht glauben. Der Moorreger SV in der fünft höchsten Klasse Deutschlands und in der höchsten Hamburger Liga, wo sich eigentlich immer nur die angestammten Vereine tummelten. Wir als kleines Dorf mit vielen Spielerinnen aus dem eigenen Verein wollten dieses Abenteuer einfach angehen. Wie unser Trainer Andree Buhse sagte: „Wir wollen es einfach genießen, Erfahrungen sammeln und unseren Verein bekannter machen.“ Die Mission war also klar. Ohne sportliche Ziele zu setzen ging es in eine schweißtreibende Vorbereitung mit Höhen und Tiefen. Der Trainer wollte das Team bereits in der Vorbereitung daran gewöhnen, wie es ist zu verlieren. In der vergangenen Saison lief alles so einfach von der Hand und man verlor lediglich zwei Spiele knapp. Andere dafür mehr als nur deutlich. Das Verlieren muss dann auch erstmal wieder gelernt werden. Wie geht man untereinander mit Niederlagen und Rückschlägen um? Wächst man dadurch weiter zusammen oder geht man weiter auseinander? Nur im Falle von Niederlagen zeigt sich, was für ein Team man ist, meinte Buhse klar vor der Saison.

Die Moorreger Damen mussten kurz vor der Saison noch schwere Verletzungen hinnehmen, so dass Stammspielerinnen für die komplette Saison ausfielen. Der MSV startete aber ganz anders in die Saison als es jeder geglaubt hatte. Viele Trainer trauten dem Moorreger SV in der Saison nicht besonders viele Punkte zu. Die Damen vom MSV sollten gleich am ersten Spieltag den Finger heben. Gleich ein Sieg in der Fremde. Man konnte die Handball Luchse aus Buchholz mit 27:21 schlagen und so stand man nicht vom ersten Tag an mit dem Rücken zur Wand. In den nächsten 3 Wochen holten starke Teams wie Eilbeck, HH-Nord und HH-Barmbeck den MSV zurück auf den Boden. Man verlor diese Partien deutlich, teilweise mit 16 Toren Unterschied und alle auswärts. Sollten doch alle Recht behalten?
Beim ersten Heimspiel dann wieder ein Achtungserfolg. Vor über 100 Zuschauern bezwang der MSV den Ahrensburger TSV und machte wieder von sich reden. Jedem war klar, was für eine schwere Aufgabe es für diesen kleinen Verein sein wird. Man verlor in Folge erneut 2 Spiele, bevor man 2 direkte Konkurrenten aus Elmshorn und Alstertal bezwingen konnte. In der Woche danach holte man sich vom Tabellenführer zwar erneut eine hohe Niederlage ab, aber diese seien natürlich einkalkuliert, so Buhse. Der AMTV tat sich die weite Reise kurz vor Weihnachten nicht mehr an, sodass auch diese Punkte auf das Konto von Moorrege wanderten. Mit 10 Punkte in der Hinserie überwinterte man auf Platz 7 (von 13) und somit auf keinem Abstiegsplatz. Immer wieder von einigen Verletzungen geplagt, ging man in die zwei Wochen Weihnachtsurlaub.

Es hagelte im Jahre 2018 dann erstmal negative Erlebnisse. Ganze 6 Spiele in Folge verloren die Moorreger Damen und dazu eine weitere schwere Knieverletzung vom Kapitän. Die Stimmen von der Presse und auch aus anderen Mannschaften wurden laut, dass dies wohl der Untergang für den MSV sein wird. Doch nach wie vor steht der MSV über dem „Strich“ und die Damen haben immer gezeigt, dass Sie Moral haben. Das, was Buhse anfangs betonte, sollte nun viel mehr in Kraft treten. Sie zeigten Moral, Sie zeigten Mannschaftsgeist und Willen, sich nicht kampflos zu ergeben. Zum Glück hat die 1. Damen sich selbst in den letzten Jahren einen Unterbau geschaffen. Eine sehr junge Mannschaft mit vereinzelt erfahrenen Spielerinnen half wochenlang in der 1. Damen immer wieder aus, um selbst Ihren Erfolg nicht aus den Augen zu verlieren. Die 3. Damen stand derzeit auf dem 1. Tabellenplatz in der Bezirksliga und peilte den Aufstieg in die Landesliga an. Diese jungen Mädels wollte Buhse behutsam und langsam an die 1. Damen heranführen, jedoch sprangen Sie durch die verletzungsbedingten Ausfällen bereits vermehrt in die Bresche. Buhse: „Natürlich machen Sie noch einige Fehler aber das ist natürlich erlaubt. Der Erfolg wird noch kommen und jede Niederlage hat uns in den letzten Wochen stärker gemacht“. Dies sollte sich wirklich auszahlen. Am vergangen Sonntag war die SG Altona zu Gast. Beide Teams punktgleich mit den besagten 10 Punkten. Das junge MSV Team konnte erneut in heimischer Halle unter Beweis stellen, dass Sie es können. Sie gewinnen mit 20:18 und springen zurück auf Tabellenplatz 9, der ganz sicher zum Klassenerhalt reichen würde. In den nächsten Wochen fanden dann direkte Duelle gegen die Tabellenplätze 13,12 und 10 statt. Die Damen sollten hier mindestens 4 im besten Fall 6 Punkte einsammeln, so stände dem Klassenerhalt zu dem Zeitpunkt fast nichts mehr im Wege. Buhse sagte aber nochmal ganz klar: „Wir haben unser Saisonziel bereits erreicht! Alles was jetzt kommt ist Bonus.“

Man wollte diesen positiven Trend vom Altona Spiel direkt beim Oberliga Absteiger HG Norderstedt, Platz 10, fortführen. Die Mannschaft war durch Krankheit und Verletzungen sehr schmal besetzt, aber Sie nahmen die Partie von der ersten Minute an sehr ernst. Man war zwar in der Anfangsphase klar die bessere Mannschaft, aber vergab zu viele 100% Chancen. So hieß es zwar noch 8:12 zur Pause, verlor am Ende aber deutlich mit 18:30 und gab den Platz 9 an Norderstedt ab. Direkt in der kommenden Woche hieß es wieder Abstiegskampf pur. Der Tabellenletzte Elmshorner HT war zu Gast in Moorrege. Der MSV nahm die Partie in die Hand und konnte das Spiel und die Punkte für Moorrege sichern. Nun hieß es zwar immer noch Platz 10 aber mehr Punkte Abstand auf den direkten Abstiegsplatz. In Alstertal kam es dann wohl zu dem absoluten Endspiel. Der MSV konnte das Minimal-Ziel Platz 11 klar machen, denn mit einem Sieg bei SCALA wären es 6 Punkte Vorsprung plus dem direkten Vergleich auf MSV Seite. Die erste Mannschaft verstärkte jedoch die 2. Damen von Alstertal ausreichend, sodass Moorrege leider kaum eine Chance hatte die Partie für sich zu entscheiden. Am Ende verlor man das Spiel mit 17:25, die 2 Punkte und den direkten Vergleich, so hätte man bei Punktegleichheit am Ende auch hier den Kürzeren gezogen. In den letzten beiden Spielen gegen den Meister SG Wilhelmsburg und AMTV Hamburg 2 mit einigen A-Jugend Bundesliga Spielerinnen war für den MSV keine Punkte mehr zu holen. Man verkaufte sich zwar in den letzten beiden Heimspielen teuer aber verlor die Partien mit 16:26 und 20:26. Parallel entschieden Mannschaft von unten Partien gegen Teams von oben und somit war jetzt schon klar, dass der Moorreger SV maximal Platz 11 erreichen konnte in dieser Saison. Für die Damen aus Moorrege war ein Spieltag vor Schluss bereits die Saison vorbei und man konnte nur noch zuschauen. Durch den Verbandswechsel von Buchholz MUSS die HH-Liga von 13 Mannschaften auf 12 Mannschaften wieder reduziert werden. Es gab viele Faktoren die für den MSV wichtig waren und wenn man sich mit „Experten“ unterhielt, waren die Chancen für den MSV gleich 0. Aber der Reihe nach:

Es mussten insgesamt 3 Faktoren eintreffen, die der MSV nicht selbst in der Hand hatte:
Faktor 1 – Das Minimalziel Platz 11
Platz 13 & 12 sind Regelabsteiger und müssen zu 100% in die Landesliga zurück. Die Ausgangslage war klar. Scala konnte am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Altona Punktgleichheit mit dem MSV herstellen und damit Moorrege auf Platz 12 verdrängen. Das Spiel ging für Scala aber deutlich mit 12:26 verloren. Platz 11 für den MSV gesichert.
Faktor 2 – TuS Esingen 1 muss die Klasse in der Oberliga halten
2 Spieltage vor Schluss stand die SG Niendorf Wandsetal bereits als Absteiger aus der Oberliga HH/SH in die HH-Liga fest. Der TuS Esingen auf Platz 13 war darauf angewiesen, dass Sie selbst gewinnen und Herzhorn beim bereits feststehenden Absteiger HG OKT nicht punktet. Der TuS konnte Ihre Partie tatsächlich gegen Stockelsdorf gewinnen und Herzhorn verlor deutlich gegen OKT. Der TuS hatte die Chance am letzten Spieltag Herzhorn im direkten Duell zu schlagen, in der Liga zu bleiben und damit die Minimal-Hoffnung des MSV aufrecht zu erhalten. Buhse war vor Ort und schaute sich die Partie live an. Der TuS lag zur Pause mit 5 Toren zurück, alle Hoffnung dahin? Nein. Der TuS kämpfte sich zurück ins Spiel gewann am Ende mit 4 Toren, sicherte sich den Klassenerhalt und schoss Herzhorn auf einen Abstiegsplatz. Somit stand fest, dass lediglich eine Mannschaft aus Hamburg zurück in die HH-Liga kommt und zwei Schleswig-Holsteiner Teams in Ihre Liga Verbände zurück müssen.
Faktor 3 – es muss einen weiteren Aufsteiger geben
Die Liga muss bekanntermaßen von 13 auf 12 reduziert werden, dies kann natürlich nicht nur dadurch passieren, dass es einen zusätzlichen Absteiger gibt, sondern kann auch bedeuten, dass es einen weiteren Aufsteiger gibt. Eine Aufstiegsrelegation musste Klarheit bringen. Der Vizemeister aus der HH-Liga, die SG Bergedorf / VM, spielte am 10.05. und 12.05. um den Aufstieg in die Oberliga gegen den Vizemeister aus Schleswig-Holstein TSV Alt Duvenstedt. Das Hinspiel, an Himmelfahrt, konnte die SG Bergedorf / VM nicht für sich entscheiden. Am Ende ein 24:27 -also hieß es weiter zittern. 2 Tage später war es dann soweit. Das Rückspiel in Bergedorf. Ausgangslage war klar. Ein Sieg mit 4 Toren von der SG heißt Aufstieg für Bergedorf und Klassenerhalt für Moorrege. Was für eine Spannung für alle Beteiligten. Dann um 16:30, das Spielende und das Ergebnis von 23:18 für Bergedorf. Ein 5 Tore Sieg beschert der SG Bergedorf den Aufstieg in die Oberliga und dem Moorreger SV den Klassenerhalt in der HH-Liga.

Niemand hätte dies vor der Saison und schon gar nicht mit so vielen wichtigen Faktoren nach der Saison für möglich gehalten, aber es ist wahr! Auch in der kommenden Saison gibt es wieder HH-Liga Damen Handball in Moorrege.

Wir möchten nochmal allen Fans danken, die uns in dieser Saison so sehr unterstützt haben und auch für die vielen, vielen positiven Zusprüche und Glückwünsche aus der Liga! Wir danken euch! Jetzt können wir endlich eine Pause einlegen. Was für eine aufregende Saison!

Eure 1. Damen

von Andree Buhse am 14.05.2018 um 17:59 Uhr
zuletzt editiert von Andree Buhse am 15.05.2018 um 15:19 Uhr

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